One day in Bahrain

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Bahrain? Wo bitte soll denn das liegen? Ist das ein Land? Eine Stadt? Ich habe das doch schon mal gehört, aber wo?

Ungefähr so ging es mir als ich vor einigen Wochen die diversen Apps zum finden günstiger Flüge durchsuchte. Ich mein, eigentlich landet doch jeder in Dubai zwischen, wenn es nach -Bangkok geht, oder? Tja, aber ich nicht. Ich landete in Bahrain zwischen.

 

Kurz zu den Fakten:

Bahrain ist ein Land im mittleren Osten, es handelt sich um ein Königreich, welches aus 33 Inseln besteht. Sicher kennt ihr die Nachbarländer Saudi Arabien und Katar. Bahrain ist insgesamt kleiner als das Hamburger Stadtgebiet und somit perfekt um bei einer längeren Zwischenlandung den Flughafen zu verlassen, denn dieser befindet sich schon quasi mitten in Manama, der Hauptstadt Bahrains.

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Finally arrived.

Für Bahrain braucht man ein Visum. Die beste Möglichkeit ist ein E-Visa, welches ihr vorher  online beantragt. Das ging ganz fix und war nach wenigen Stunden genehmigt. Ihr müsst den Reisepass einscannen und auch einen Nachweis wann ihr wieder ausreist, also im besten Fall das Ticket für den Weiterflug. Optional kann man weitere Dokumente wie eine Hotelbuchung Einscannen.

Und hier ging es dann auch schon los. Das E-Visa ist keine Garantie, dass ihr einreisen dürft. Wenn es blöd läuft habt ihr also die derzeit etwa 22-23 Euro zum Fenster raus geworfen. Das Visum für diesen Preis (9 BHD) ist für einen „Single entry“ bis zu zwei Wochen gültig. Und dann ging es nach einer unbequemem Nacht im Flieger mit Verspätung auch direkt los über ein WC zum frisch machen und dann zum Schalter um einzureisen. Da die wenigsten das so machen kam ich direkt ohne Wartezeit an die Reihe. Der Beamte war sehr freundlich, aber beharrte auf eine Adresse für meinen Aufenthalt. Ein Hotel wäre okay. Ich erklärte mehrfach sehr nett, dass ich nicht schlafen gehen möchte, sondern mir sein Land gerne anschauen mag. Da das nicht half schlug ich vor ihm die Adresse der deutschen Botschaft in Manama zu geben und das war für ihn vollkommen okay. Also? Immer die Adressen der deutschen Botschaften dabei haben (das mach ich immer so, inklusive Notfallnummern).

Bahrain gab‘ mir nun meinen allerersten Einreisestempel in meinen Reisepass (Ich reise sonst ja nur beruflich nach Asien, da bekommen wir keine Stempel 😉 ).

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Draußen bin ich erstmal eine ruhige Ecke suchen gegangen, habe mich meiner fiesen Sucht hingegeben und überlegt wie ich nun in die City komme. Taxi? Laufen? Bus?

Ich war unsicher, ob ich mich wie sonst einfach durchfrage. Ich stand hier nunmal in einem muslimischen Land. Es war schon morgens warm, die Sonne schien und ich passte mich mit meiner langen Hose und einem Cardigan über meinem Top ohne Ausschnitt an (Recherche ist immer gut). Ich fragte den Herren neben mir sehr freundlich und kam überraschend gut mit englisch weiter. Er sagte er würde mir den Bus empfehlen, der fährt auf jeden Fall in die Richtung die ich möchte, er wüsste aber nicht welche Nummer es ist. So what? Ab ging es zum nächsten Bus. Dort gab‘ es eine Art „Chef“ für alle Busfahrer der auch wieder fließend Englisch sprach. Ich solle die Nummer 2 nehmen, der nächste kommt in 10 Minuten.

Keine 3 Minuten später kam die Nummer 2 auch schon und der „Chef“ sagte dem Fahrer ich möchte bitte zur City Mall und er soll mich in der Nähe raus lassen. Ich war verwirrt, hat der Bus denn keine festen Stops? Nein, nicht wirklich. Bezahlen sollte ich 300 Fils. Das enspricht etwa 75 Cent für eine 35 minütige Fahrt. Ein Taxi hätte mich etwa 8-10 Dinar gekostet, weil man einen Flughafenaufschlag zahlen muss. Definitiv ein guter Deal.

Der Bus füllte sich im Laufe der Fahrt. Leider vergaß mich der Fahrer offenbar, sodass ich dann einfach selbst in der Nähe der Mall ausstieg. Schnell stellte ich fest, dass Bahrain kein Land für Fußgänger ist. Es gibt kaum Bürgersteige und die einzige Fußgängerampel fand‘ ich nach vielen Stunden im Land erst.

Bahrain City Centre Mall img_8212

Mein erster Weg führte mich in eine Mall. Ihr denkt jetzt sicher: Ernsthaft? JA. Ich muss zugeben, dass ich verrückt bin. Ich sammle die City mugs von Starbucks und musste halt zu einem Starbucks und es war ja sowieso eine gute Zeit zum Frühstücken. Um genau 10 Uhr ereichte ich die Mall die zufällig gerade öffnete. Alles war super sauber, organisiert und die Menschen waren wirklich nett. Von den netten Menschen hört ihr hier noch so einige Male 🙂

Die Preise bei Starbucks waren im Verhältnis schon fast günstig. 1 BHD für ein riesiges Croissant, 1,2 BHD für einen großen Cappuccino und 4 BHD für meine geliebte Bahrain Tasse. Wenn ich euch jetzt erzähle, dass es einen Starbucks am Flughafen in der Abflughalle gibt, der die Tassen auch verkauft… Naja, meine ist halt nun so richtig aus Bahrain 😀

Qalat al Bahrain (Bahrain Fort) img_8227

An der Mall gab‘ es keine Bushaltestelle, also blieb‘ nur das Taxi, welches mich zum Fort bringen sollte. Für 4 BHD setzte der freundliche Taxifahrer mich ab. Ich machte mir keine Sorgen von hier wieder weg zu kommen, da standen ja einige Taxen herum. Der Besuch des Fort ist kostenlos und lohnt sich definitiv. Das Fort ist einer sehr bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte und seit 2005 UNESCO Weltkulturerbe. Das Fort soll bereits 2300 BC erreichtet worden sein und die Hauptstadt von Dilmun gewesen sein. Sneakers sind hier echt von Vorteil, da die Wege etwas unwegsam sein können und die Treppenstufen für Riesen gemacht sind. Der Blick auf die Skyline von Mamana und das Meer ist von hier oben echt atemberaubend schön und das alles für lau.

 

Unten am Parkplatz ist auch noch das dazugehörige Museum beheimatet, welches ich jedoch nicht besucht habe.

Als ich weiter wollte war natürlich klein Taxi zu sehen. Nach kurzem warten ging ich einfach mal los Richtung Straße, es wird ja sicher gleich ein Taxi vorbeikommen. Falsch gedacht. Ich bin bestimmt schon 2 Kilometer auf einem matschigem Weg an der Seite der gelaufen bis ein Auto anhielt. Ist das etwa ein Taxi? Nicht ganz. Ein freundlicher Bahraini fragte wo ich denn hinlaufe und ich sagte ich bin auf dem Weg zur Camel Farm, aber finde kein Taxi. Er meinte er würde ganz in der Nähe wohnen und würde mich gern hinbringen. Nach kurzem zögern schaltete ich offenbar also meinen Verstand und jegliches Sicherheitsempfinden aus und stieg zu ihm ins Auto. Mohammed war sein Name, er kommt eigentlich aus Marokko und lebt schon 15 Jahre mit seiner Familie in Bahrain. Die ganze Fahrt hatte ich ein mulmiges Gefühl und scherzte, dass ich hoffe er würde mich nicht umbringen. 15 Minuten später erreichten wir dann tatsächlich die Camel Farm und ich wollte ihn natürlich für die Fahrt bezahlen. Mohammed sagte das würde seinen Stolz verletzen und mein Dank wäre die beste Bezahlung die er bekommen könne. Er drückte mir seine Visitenkarte in die Hand und sagte er habe nun den Rest des Tages frei und wenn ich irgendwo hin muss oder Probleme habe soll ich kurz eine Nachricht bei WhatsApp schreiben und er würde sofort kommen. Auch, falls mein Flug ausfällt – sein Haus wäre mein Haus und seine Frau würde sich freuen einen Gast zu haben. Ich dachte solche Menschen gibt es nur im Film, aber es gibt sie tatsächlich – in Bahrain.

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View from Bahrain Fort

Royal Camel Farm img_8307

Eine Farm voller Kamele? DAS musste ich mit eigenen Augen sehen. Nachdem mein Freund Mohammed mich abgesetzt hatte zeigte mir ein bewaffneter Herr auch schon direkt den Weg zum Eingang. Die Farm darf ausschließlich von (westlichen) Touristen besucht werden. Diese Farm beherbergt etwa 500 Kamele (ich glaube die wissen gar nicht genau wie viele es sind). Die Farm wurde von einem früheren Herrscher ins Leben gerufen, weil er gern Kamele haben wollte. Das war früher das Transportmittel in Bahrain, was in einer Wüste ja durchaus auch Sinn macht. Heute dienst die Farm nur der Bespaßung von Touristen und vielleicht dem Sinn, dass man das Erbe des früheren Königs bewahren möchte. Voller Vorfreude lief ich also auf das Gelände der Farm und wurde traurig, als ich sah wie die Kamele gehalten werden. Es gibt viel zu wenige Dächer um die Tiere vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, sodass ein Grpßteil der Tiere also dauerhaft in der Sonne steht, hockt oder liegt. Das wäre schon schlimm genug, aber jedes Tier ist an einen Pflog angebunden und hat keine 2 Meter Bewegungsfreiheit. Auch die Vorderbeine sind zusammengebunden, maximal 40-50 cm Seil dazwischen. DAS kann doch nicht artgerecht sein, oder? Viele der Tiere wirkten sehr verstört auf mich. Da war dieses eine Kamel das die ganze Zeit hin- und herwippte und total apathisch wirkte. Der einzige Angestellte der auf der Farm zu sehen war bat mir an ein Baby anzuschauen. Klar, warum nicht, die Babies werden ja sicher besser behandelt. Nicht wirklich. Die Mutter wurde erstmal an die Seite geschoben und mit essen abgelenkt, sodass ich das kleine 1 Monate alte dann streicheln konnte. Der „Wärter“ machte fix ein Foto von mir und ich bedanke mich mit einem kleinen Trinkgeld bei ihm. Ich hatte vorher gelesen, dass das so üblich ist und weiss nun auch, dass die jungen Männer dort nicht bezahlt werden und nur von dem Leben was wir Touristen ihnen geben. Hätte ich das gewusst hätte ich ihm mehr gegeben, aber die nächsten Touristen kamen schon wieder zum Baby schauen.

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Insgesamt würde ich aufgrund der Zustände nicht nochmal hier her gehen, da man aber an der Behandlung nichts ändern wird (man zahlt ja keinen Eintritt und hat keinen Einfluss drauf) soll jeder für sich entscheiden. Besonders für jemanden, der noch nie so nah an ein Kamel kam ist es vielleicht sehr nett.

Al-Fatih Mosque (Great Mosque)

Nach langer Warterei wurde ich von einem Taxi wieder zurück in die img_8332Stadt gebracht und zwar zur bekanntesten Moschee in Bahrain. Die Moschee scheint besonders auf deutsche Touristen Eindruck zu schinden, steht doch schon am Eingang ein Willkommenschild auf Deutsch. Drin geht es dann für Frauen nach links und für Herren nach rechts um angezogen zu werden. Man muss sich verschleiern, das heisst als Frau  bekommt man ein Hidschab (muslimisches Kopftuch) und ein schwarzes Gewand unter dem der Körper gehüllt wird. Angeblich soll man hier eine kostenlose Führung bekommen, allerdings bekam ich diese nicht. Ich bin also einmal durch die Moschee gegangen und habe sie mir angeschaut. Von oben aus konnte man das gerade anfangende Gebet der Männer beobachten, ein paar Frauen beteten in den Ecken oben. Es war durchaus sehr interessant zuzusehen. Die Moschee selbst fand‘ ich sehr schön und modern, man sucht dafür aber natürlich auch vergeblich nach ein wenig Geschichte. Ganz zauberhaft fand‘ ich die Kinder die hier mit viel Stolz mithelfen. Mir wurde beim Ankleiden von einem kleinen Mädchen geholfen. Sie machte sogar ein Foto für mich. Ein kleiner Junge saß an einem Tisch, auf dem kostenlose Bücher auslagen. Er überzeugte mich davon, dass ich unbedingt den Koran auf deutsch benötige. Tja, den schleppe ich nun stolz in meinem Rucksack herum.

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Wer in Bahrain ist muss hier wirklich einen kurzen Halt einlegen.

Bab el-Bahrain Souk

Das war mein letzter Punkt auf der Liste der Dinge die ich in Bahrain sehen wollte. Nachdem ich mal wieder kein Taxi finden konnte lief ich die 3,5 km und konnte so noch wunderbar etwas mehr von Bahrain sehen bevor es dunkel wurde. Hätte ich gewusst, dass ich den für mich Riesen Reinfall erleben werde hätte ich mir den Fußweg sicher img_8353gespart. Im Souk gibt es halt die üblichen 08/ 15 Straßenstände an denen man sich ganz viel China-Ramsch zu überteurerten Preisen kaufen kann. Ob Michael Kors oder LV, hier gibt es das übliche Touristenzeug. Besonders fand‘ ich persönlich hier leider nichts, also war ich nur etwas essen. Mein Falafelsandwish stellte sich als Falafelwrap raus, war aber wirklich sehr sehr lecker. Beim verlassen des Restaurants fragte ich direkt nach einem Ort wo ich wohl ein Taxi finden konnte und man erklärte mir den Weg super freundlich. Und siehe da, keine 2 Minuten hatte ich meinen netten Taxifahrer zurück zum Flufhafen gefunden, einen echten Bahraini, der mir noch ein wenig über Bahrain erzählte und über einzelne Gebäude.

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Bahrain ist definitiv ein kleines, sehr liebenswürdiges Land mit den hilfsbereitesten und nettesten Menschen überhaupt. Jeder spricht sehr gut englisch (war es doch mal eine englische Kolonie) und obwohl ich unsicher war in einem muslimischen Land mit ganz anderen Gesetzen alleine als Frau unterwegs zu sein fühlte ich mich stets sicher. Die Gesetze sind dort so streng, dass sich niemand traut einem etwas zu tun, anders also als zum Beispiel als in Dubai, wo Täterschutz oft über dem Opferschutz steht. Wenn ihr die Wahl habt wo eure Zwischenlandung stattfindet – nehmt unbedingt Bahrain.

War vielleicht von euch auch schon mal jemand in Bahrain?

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